Um Punkt 4 Uhr Nachmittags hatten wir endlich das gesamte Equipment beisammen und in den Autos verstaut. Also machten wir uns auf den Weg nach Düsseldorf, zum ISS-Dome. Nach einem kurzen Zwischenstop beim Gasthaus zur goldenen Möwe ;-) konnten wir gegen halb 7 mit unseren frischen Pressepässen die Arena betreten.
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Kamera 1 – Nils und Alex (bezeichnen sich selbst als „Super Crew“)
Nach einer kurzen Einweisung Feldmanns positionierten Alex und Ich uns in der rechten unteren Ecke der Eisfläche, direkt am Plexiglas. Anfangs hatten wir ein bisschen Bedenken, den Premiere-Leuten in die Quere zu kommen, von denen sich ein Kameramann ebenfalls hier breit gemacht hatte. Doch nachdem wir uns mit einem Tier von Ordner angefreundet hatten, der hier zur Bewachung der Iserlohner Ultras abgestellt war, fühlten wir uns sicher. Wir begannen unser Stativ aufzustellen und einzustellen. Dies ging fix, da uns die Wasserwaage und der Rand der Bande zur Orientierung dienten. Dann setzten wir die Kamera ein. Das Erste, was uns entgegenblinkte, als wir die Kamera einschalteten, war der leere Akku. Also schnell eine Steckdose in den Pressegängen gesucht, um den Ersatzakku schon mal zu laden. Noch schnell Weißabgleich und Format eingestellt und dann ging es auch schon los.
Im ersten Drittel des Spiels versuchten wir noch, beide Spielhälften zu filmen, jedoch viel das ständige Schwenken, Zoomen und Scharfstellen der Kamera zu schwer. Ab dem zweiten Drittel konzentrierten wir uns daher nur noch auf unsere Hälfe, arbeiteten nur noch mit Kameraschwenks und ließen die komplizierten und fürs Auge sowieso zu anstrengenden Zooms weg.
Insgesamt war es sehr schwer, das Spielgeschehen einzufangen, aber wir waren uns bewusst, dass man bei vier Kameras à eine Stunde Videomaterial schon genug Szenen für einen 100 Sekunden Film zusammen bekommen würde und so drehten wir beherzt drauf los.
Zu den Höhepunkten gehörten dann ein Penalty und eine große Schlägerei im letzten Drittel.
Schwierigkeiten waren noch eine Schrift auf der Scheibe, bei der wir immer darauf achten mussten, dass sich die Kamera nicht auf diese fokussierte (daher hatten wir größtenteils den Autofokus auf Off) und dass Fans nicht in unser Bild laufen.
Kamera 4 – Sebastian und Sandra
Kaum im ISS Dome angekommen, begannen wir mit unseren eingeteilten Zweierteams die Positionierung der Kamera. Der eigentliche Positionsplatz unserer Kamara, der bereits mit dem Pressesprecher Herrn Feldmann abgesprochen wurde, konnte so leider nicht realisiert werden. Die uns zur Verfügung stehende Tribüne, die als Filmpodest eingeplant war, wurde während des Aufbaus von der Security nicht genehmigt. Somit mussten wir unseren geplanten Standort verlassen und auf noch höheres Terrain steigen. Was uns oben erwartete, war eine sehr weite Sicht auf das Spielfeld. Demzufolge war eine gesamte Einfassung des Spieles möglich. Um spezifische Spielszenen einzufangen, musste der Zoom der Kamara öfters eingesetzt werden, auch im Hinblick auf die Erfassung der Emotionen und der Stimmung des Fans.
Um wichtige Spielsequenzen in der Nachbearbeitung schneller zu finden, machten wir uns im Verlauf des gesamten Spieles Notizen.
Kamera 3 – Jörg und Uwe
Unsere Kamera-Position im ISS-Dome konnte zu Anfangs auch nicht eingehalten werden, da Sicherheitsbedenken im Bezug auf dem Fluchtweg geäußert wurden. Vorschriftsgemäß stellten wir uns ein paar Meter zur Seite, um die anwesenden Sanitäter zufrieden zu stellen. Neben uns hatte sich auch ein leidenschaftlicher Kameramann der DEG eingerichtet. Dieser war im Nachhinein betrachtet Gold wert, denn er löste folgendes Problem: Auf dem Eis waren alles Streifen zu erkennen, der Kameramann sagte uns, dass wir auf „Zebra“ drücken müssen. Diese Info gaben wir direkt an Kamera 4 weiter, die dasselbe Problem hatten. Wir wechselten uns zwischen filmen und "Notizen machen" ab und es entstand ein „professioneller Workflow“. Der Dreh hat uns sehr viel Spaß bereitet und wir möchten die Erfahrung , so nah an einem der artigen Sportereignis gewesen zu sein, nicht mehr missen.
Kamera 2 – Georg und Christian
Wir nahmen unsere vorgegebene Position ein und wollten entspannt aufbauen. Leider gab es einen Zwischenfall mit dem Audiorekorder, sodass wir uns auch noch damit beschäftigen mussten (siehe Audio). Nun waren Georg und ich doch ein bisschen in Zeitnot, und als wir letzte Einstellungen nach Weißabgleich und Fokus im Kameramenü tätigen wollten, ging auch schon das Licht für die Lasershow aus. Nun konnten wir die Knöpfe nicht mehr erkennen. Da das Bild sehr dunkel war entschieden wir uns, wie am morgen von Herrn J. gehört, den Gain höher zu stellen. Wir filmten dann auf dem Eis, immer den Profi-Kameramännern nach, und machten gelungene Aufnahmen. Als das Licht anging, war das Bild wieder viel zu hell und wir reduzierten den Gain.
In der Pause hatten wir eine Besprechung mit Team 1 und 3 - wir waren uns alle einig, dass das Spiel aufgrund der Schnelligkeit schwer einzufangen ist. Trotzdem konnten wir gelungene Schwenks realisieren.
Direkt neben der Strafbank war bei uns während des gesamten Spiels was los und mündete schließlich in eine Schlägerei. Becher flogen umher, ohrenbetäubende Lautstärke. Dabei fiel uns der Stift in die Bande, deshalb mussten wir beim ARD-Reporter dann noch einen leihen.
Der Ton war immer sehr unterschiedlich im Bezug auf die Lautstärke, ein Aussteuern war dauernd notwendig. Die Interviews wurden ebenfalls mit dieser Kamera – mit unterschiedlicher Besetzung - geführt. Einen Spieler haben wir aber nicht mehr erwischt, diese hatten alle schon ihre Trikots aus und ein Handtuch um.
Zusammengefasst war der Dreh ziemlich stressig, es hat uns aber sehr viel Spaß gemacht und hat uns gezeigt, wie schwierig es ist, gute Aufnahmen zu realisieren.
Audiorekorder – Jennifer und Bahar
Der Audiorekorder hat gestreikt! Dieser konnte nur abspielen, aber nicht aufnehmen. Alexander und Christian versuchten den Rekorder noch zum Laufen zu bringen, indem folgende Einstellungen durchgeführt worden:
Eingang Mic XLR
Phantomspeisung On
Aussteuerung (10, höchste Einstellung)
Abhörlautstärke (10, höchste Einstellung).
Leider brachte auch die Bedienungsanleitung keine schnelle Abhilfe, sodass wir zusammen entschlossen, Kamera 4 zusätzlich für Interviews der Fans zu nehmen. In der ersten Pause gingen wir zu dieser und schlossen testweise das Mikrofon an die Kamera. Dies funktionierte nach einigen Einstellungen, obwohl Herr J. uns bei der Einführung der großen Kameras am Morgen dies nicht gezeigt hatte, weil wir ja einen Audiorekorder hatten.
Letzen Endes hat es trotz Probleme viel Spaß gemacht, obwohl wir vom Spiel nicht so viel mitbekommen haben.
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Nach dem Spiel zogen wir alle los um noch ein paar Emotionen einzufangen (Interviews), tranken ein Alt in der Fanbar und machten uns dann erschöpft, aber glücklich und zufrieden um 24 Uhr auf den Heimweg. Am nächsten Tag um 7.45 erfuhren wir von unseren Kommilitonen, dass das Spiel 5:2 ausgegangen war (wir waren uns alle einig, dass es 5:1 stand; das letzte Tor haben wir gar nicht mitbekommen :-).